
Laufen begeistert seit einigen Jahren immer mehr Menschen. Wirklich verbreitet ist dieser Ausdauersport allerdings erst seit rund 40 Jahren. Lange Zeit durften nur athletische Männer, die eine Herausforderung suchten, an einem Marathon teilnehmen. Frauen erhielten das Recht, bei Olympischen Spielen über Distanzen von mehr als 1500 Metern zu starten, sogar erst ab 1984.
Und doch…
Bei Mittel- und Straßenlaufdistanzen wie 5 km, 10 km und Halbmarathon sind Frauen inzwischen sogar zahlreicher vertreten. Im Schnitt sind sie vier Jahre jünger als Männer und stellen 57 Prozent der Teilnehmenden. Damit sind sie heute die Mehrheit in einem Sport, der ihnen anfangs verwehrt war. Erst seit rund 50 Jahren dürfen Frauen überhaupt offiziell bei Laufveranstaltungen an den Start gehen!
Inhaltsverzeichnis
Entdecken wir gemeinsam die Geschichte des Frauenlaufsports!
In den 70er-Jahren behauptete die Mehrheit der Ärzte, dass Laufen bei Frauen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und den Körper vermännlichen könne. Heute wirken solche Aussagen mindestens befremdlich.
Offenbar haben wir einige Kapitel der Laufgeschichte vergessen.
Wir kennen alle die Geschichte von Pheidippides… Du weißt schon, den Boten, der der Legende nach starb, nachdem er 40 km gelaufen war, um seine Nachricht zu überbringen. Seine Leistung lebt heute im legendären Marathon weiter.
Wusstest du, dass Frauen in der Antike ihre eigenen Olympischen Spiele hatten?
Sie fanden in Olympia statt, zwei Wochen nach den Wettkämpfen der Männer.
Das mag zunächst seltsam wirken, denn die Rolle der Frau beschränkte sich damals vor allem auf Mutter und Ehefrau. Trotzdem gab es einen Wettkampf für Frauen im olympischen Stadion. Das waren die Heraia, Wettkämpfe zu Ehren der Göttin Hera. Gelaufen wurde über ein Sechstel der olympischen Bahn, also gerade einmal 160 Meter…
Obwohl die modernen Olympischen Spiele 1896 ins Leben gerufen wurden, mussten Frauen bis 1928 warten, um in der Leichtathletik starten zu dürfen. Die 800 Meter waren damals die längste Distanz im Programm, doch der Wettkampf löste einen Skandal aus. Erschöpft nach zwei Stadionrunden, wie übrigens auch viele Männer, legten sich zahlreiche Läuferinnen im Ziel auf den Boden. Das reichte den Organisatoren, um Frauen das Laufen über 800 Meter hinaus bis zu den Spielen von Rom 1960 zu verbieten.
Erst eine Entscheidung von 2007 sorgte dafür, dass Frauen bei Olympischen Spielen in allen Sportarten vertreten sein müssen. Seit 1991 gilt zudem: Jede neue Sportart im olympischen Programm muss auch Wettbewerbe für Frauen umfassen.
Die Pionierin des Frauenlaufs
1967 meldete sich Kathrine Switzer nur mit ihren Initialen für den Boston-Marathon an. Obwohl Frauen ausgeschlossen waren, wurde sie damit zur ersten Frau, die offiziell an einem Marathon teilnahm. Sie beendete ihr Rennen in etwa 4 Stunden 20 Minuten. Während des Laufs wurde die junge Frau vom Rennorganisator attackiert, der versuchte, sie von der Strecke zu drängen. Das Foto davon ging um die Welt.
Ein Jahr zuvor war Roberta Gibb den Marathon bereits inoffiziell in 3:51 Stunden gelaufen und damit deutlich schneller. Sie gilt heute als die erste Frau, die einen Marathon lief, während Kathrine Switzer als erste Frau mit offizieller Anmeldung ins Ziel kam.
Nachdem Kathrine Switzer bewiesen hatte, dass Frauen 42,195 km laufen können, ermöglichte sie 1972 die offizielle Teilnahme von Frauen am Boston-Marathon. 1984 wurde dann auch ein olympischer Frauenmarathon eingeführt.
Die Amerikanerin Joan Benoit gewann diesen ersten olympischen Frauenmarathon in Los Angeles.
Ihr Engagement führte 1972 zur Gründung des Avon International Running Circuit, einer Serie mit mehr als 400 Frauenläufen in 27 Ländern.
Kathrine bestritt 39 Marathons und gewann 1974 sogar den New-York-Marathon.
Sie hat die Geschichte des Frauenlaufsports zweifellos geprägt.
Frauenläufe weltweit
Der Avon Circuit wurde gegründet, um den Straßenlauf für Frauen zu fördern, verfolgte aber noch ein zweites Ziel: den olympischen Marathon für Frauen zu öffnen. Um ins olympische Programm aufgenommen zu werden, musste die Disziplin in mindestens 25 Ländern vertreten sein, jeweils über die nationalen Olympischen Komitees. Deshalb bemühten sich Kathrine Switzer und Sponsor Avon zwischen 1978 und 1984 darum, Läuferinnen aus möglichst vielen Nationen zu erreichen. Das Ziel wurde erreicht: 1984 wurde der Marathon olympische Disziplin für Frauen!
Heute gibt es Hunderte von Frauenläufen in rund zwanzig Städten weltweit.
Nagoya Women’s Marathon, Japan
Seit 1980 ist Nagoya Gastgeber eines der ersten reinen Frauenmarathons. Bis 1982 war die Strecke 20 km lang und ausschließlich Spitzensportlerinnen vorbehalten. Um mehr Teilnehmerinnen anzuziehen und international bekannter zu werden, ist das Rennen heute für Frauen aus aller Welt offen.
La Parisienne
In Frankreich dauerte es bis 1997, bis es mit La Parisienne erstmals einen Frauenlauf gab.
Es ist ein dreitägiges Event rund um Frauen, mit den Schwerpunkten Sport, Gesundheit, Ernährung, Beauty und Wohlbefinden, inklusive eines 6,7-Kilometer-Laufs, eines Walks und eines Yoga-Events.
Auch wenn Frauen heute fest in der Sportwelt und im Laufsport verankert sind, gibt es noch viel zu tun, und die Entwicklung des Frauensports muss weitergehen. 2018 machten Frauen beim Paris-Marathon nur 25 Prozent der Teilnehmenden aus, beim New-York-Marathon waren es dagegen 42 Prozent. Ein klarer Beleg dafür, dass es für Frauen im Laufsport noch immer kulturelle Hürden gibt…