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Steve Prefontaine: Die Running-Legende

Porträt der Running-Legende Steve Prefontaine, amerikanischer Mittelstreckenläufer und Ikone des Ausdauersports.
Wenn es in den USA eine echte Running-Legende gibt, dann ist es Steve Prefontaine. In Europa oft wenig bekannt, löste er jenseits des Atlantiks eine riesige Begeisterung aus, die auch mehr als 30 Jahre nach seinem tragischen Tod ungebrochen ist. „Pre“, wie er genannt wurde, wollte ein Künstler des Laufens sein. Ein Rückblick auf den Weg dieser amerikanischen Legende.

Die Anfänge von Steve Prefontaine

Steve Prefontaine wurde am 25. Januar 1951 in Coos Bay, Oregon, geboren. Er brachte beste Voraussetzungen für die Langstrecke mit und war vor allem ein außergewöhnlich harter Arbeiter. Seine Laufbahn nahm eine entscheidende Wendung, als er an der University of Oregon studierte.

Dort traf er auf seinen Trainer Bill Bowerman, der 1964 Blue Ribbon Sports mitbegründete, das später zur weltberühmten Marke mit dem Swoosh, Nike, wurde. Bill Bowerman war zudem einer der Trainer, die das Jogging-Konzept aus Neuseeland in die USA brachten, um Bewegungsmangel und Übergewicht entgegenzuwirken.

Steve Prefontaines College-Karriere war geprägt von drei NCAA-Titeln im Crosslauf, den hochklassigen US-Hochschulmeisterschaften, sowie vier NCAA-Titeln über 3 Meilen und 5.000 Meter.

Steve Prefontaines einzige Taktik: Spektakel liefern

Schon zu Beginn seiner College-Zeit ließ sein Laufstil niemanden kalt. Steve Prefontaine ging gewöhnlich früh allein in Führung und wurde fast nie wieder eingeholt. Sein aggressiver Stil, immer mit voller Intensität und unerschütterlicher Entschlossenheit, begeisterte das amerikanische Publikum.

GO PRE gegen STOP PRE!

Für ihn galt: „Nicht alles aus sich herauszuholen, heißt ein Stück weit, sein Talent zu verleugnen.“ Seine Fans skandierten „Pre! Pre! Pre!“ und trugen T-Shirts mit dem Aufdruck „LEGEND“, während Anhänger gegnerischer Universitäten „STOP PRE“ zeigten. Mit 19 Jahren schaffte er es auf das Cover des legendären Magazins „Sports Illustrated“, mit der Schlagzeile: „Das amerikanische Laufwunder“. Die Legende nahm ihren Lauf…

Steve Prefontaine qualifiziert sich für die Olympischen Spiele in München

1972 gewann Steve Prefontaine bei den US-Trials die 5.000 Meter in 13:22,8 Minuten und stellte dabei einen neuen US-Rekord auf. Dieser Sieg brachte ihm die Teilnahme an den Olympischen Spielen in München, gerade einmal 21 Jahre alt. Steve hatte beste Chancen auf eine Medaille…

Packende Spannung bei den Olympischen Spielen in München

Im olympischen 5.000-Meter-Finale übernahm Steve Prefontaine nach drei Kilometern in verhaltenem Tempo, 8:20,2 Minuten, die Verantwortung und verschärfte das Rennen. Das Tempo sprang plötzlich von 68 bis 69 Sekunden pro Runde auf 62,5, 61,2 und schließlich 60,3 Sekunden.

Zwei Runden vor dem Ziel ging der Finne Lasse Viren, Weltrekordhalter über 10.000 Meter, an die Spitze. Doch Steve wehrte sich und übernahm 200 Meter später wieder die Führung. Die Spannung war kaum zu überbieten! Lasse Viren zog bei der Glocke erneut vorbei. 150 Meter vor dem Ziel kämpfte Steve noch mit Lasse Viren und Mohammed Gammoudi um den Olympiasieg!

Doch auf der Zielgeraden zollte Steve Prefontaine seinem hohen Einsatz Tribut. Auf den letzten 15 Metern drängte ihn der Brite Ian Stewart noch vom Podium. Vermutlich bezahlte er für seinen ungestümen Angriffslauf und seine mangelnde internationale Erfahrung. Doch für ihn war ein Sieg nur dann etwas wert, wenn er mit Stil errungen wurde. Lasse Viren gewann später auch die 10.000 Meter von München und wiederholte dieses 5.000- und 10.000-Meter-Double vier Jahre später in Montreal.

Steve Prefontaine, legendärer US-Läufer und Ikone des Mittelstreckenlaufs, beim Wettkampf auf der Laufbahn.

Das tragische Ende von Steve Prefontaine

Steve versprach, bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal Revanche zu nehmen, obwohl er Probleme mit der Amateur Athletic Union, dem amerikanischen Leichtathletikverband, hatte. Dieser verbot damals noch Antrittsgelder. Er prangerte dieses System an, blieb aber voll auf sein Ziel fokussiert. 1975, auf dem Höhepunkt seiner Form, nahm sein Schicksal eine tragische Wendung.

Am 30. Mai 1975 kam Steve Prefontaine bei einem Autounfall ums Leben. Er saß am Steuer seines MGB-Cabrios auf dem Skyline Boulevard unweit des Campus der University of Oregon. Der Eugene Register-Guard titelte am Tag nach seinem Tod: „The end of an era“, das Ende einer Ära.

Mit 24 Jahren hatte „Pre“ die Geschichte der amerikanischen Leichtathletik bereits nachhaltig geprägt: durch seinen Stil, seinen Mut, seine Entschlossenheit, seinen unbändigen Siegeswillen, seine rebellische Seite und seinen majestätischen Laufschritt. Auch dank ihm begannen unzählige Menschen zu laufen, nachdem das Jogging in Amerika populär geworden war.

Prefontaine: 78 Prozent Siege!

Steve Prefontaine hielt alle US-Rekorde von 2.000 bis 10.000 Metern. In seiner Karriere gewann er 128 von 153 Rennen, eine Siegquote von 78 Prozent.

Er lief für den Oregon Track Club, der auch durch ihn zu einem der legendärsten Laufvereine der USA wurde. Bei großen internationalen Leichtathletik-Meetings sieht man dieses Trikot noch immer häufig auf den Schultern von Athletinnen und Athleten.

Ein internationales Meeting in Eugene trägt ebenfalls seinen Namen. Jedes Jahr zieht die Prefontaine Track Classic die besten Athletinnen und Athleten der Welt sowie ein großes Publikum an.

Anfang September nehmen zahlreiche Fans am Prefontaine Memorial Run teil. Das Rennen führt über seine Trainingsstrecken in Coos Bay und endet auf der Bahn seiner Highschool, auf der er seine ersten Wettkämpfe bestritt. Auch an der Stelle seines tödlichen Unfalls steht ein Mahnmal, der „Pre’s Rock“. Läuferinnen und Läufer ehren ihn bis heute, indem sie Medaillen, Startnummern oder Laufschuhe dort hinterlassen.

Eine echte Künstlerseele

Berühmte Zitate von Steve Prefontaine

Mehr als nur ein Läufer, Steve Prefontaine sah sich selbst als Künstler: „Manche Menschen schaffen etwas mit Worten, Musik oder mit Pinsel und Farbe. Wenn ich laufe, möchte ich, dass es schön aussieht. Ich will die Menschen berühren, sodass sie danach sagen: ,So habe ich noch nie jemanden laufen sehen.‘ Für mich ist Laufen mehr als Laufen, es ist ein Stil. Es bedeutet, etwas besser zu machen als andere. Es bedeutet, kreativ zu sein.“

Oder auch: „Ein Rennen ist ein Kunstwerk, das Menschen je nach ihrer Empfindsamkeit berühren kann.“

Inspiration für Filme

Steve Prefontaine inspirierte Literatur und Kino. Zu nennen sind die Filme „Prefontaine“ (1997) und „Without limits“ (1998), der sich stärker auf Bowermans Rolle als Trainer konzentriert und zu unserem Top 10 der Filme über das Laufen gehört).

Prefontaine äußerte sich auch über die masochistische Seite des Laufens: „Viele Menschen laufen, um herauszufinden, wer der Schnellste ist. Ich laufe zuerst, um zu sehen, wer am meisten Biss hat, wer sich quälen kann, indem er ein Höllentempo anschlägt, und sich noch mehr quälen kann, indem er bis zum Ende durchzieht.“

„Pre“ wurde zu einem Mythos des Laufsports! Er inspirierte und inspiriert weiterhin Tausende Läuferinnen und Läufer auf der ganzen Welt.

Die wichtigsten persönlichen Bestzeiten von Steve Prefontaine

1.500 m: 3:38,1
Meile: 3:54,6
3.000 m: 7:42,6
5.000 m: 13:21,87
10.000 m: 27:43,6

Bildnachweis: Tony Duffy/Allsport