
Der Tour du Mont-Blanc (TMB) ist einer der berühmtesten Fernwanderwege (GR) der Welt. Die Kulisse ist spektakulär, und du durchquerst Frankreich, Italien und die Schweiz. Ein großer Teil der Strecke wird auch vom UTMB genutzt, dem legendären Ultratrail rund um den Mont Blanc. Du willst dich an das Abenteuer wagen, zu Fuß oder im Mix aus Wandern und Laufen, zum Beispiel als Trailrunning-Vorbereitung? Hier findest du Tipps, damit dein Tour du Mont-Blanc gelingt.
Inhaltsverzeichnis
Wie lange braucht man für den Tour du Mont-Blanc?
Wanderer aus der ganzen Welt sind rund um den Mont Blanc unterwegs. Der TMB hat etwa 170 km und rund 10.000 Höhenmeter im Aufstieg. Die meisten schaffen den Tour du Mont-Blanc in 6 bis 10 Tagen, also ungefähr 17 bis 28 km pro Tag. Dafür brauchst du eine solide Grundlagenausdauer, und solltest je nach Etappe mit 4 bis 8 Stunden Gehzeit pro Tag rechnen.
Wenn du mit jemandem unterwegs bist, der weniger sportlich ist als du, versetz dich wirklich in seine oder ihre Lage, um die Etappen sinnvoll zu planen. Jemand mit guter Fitness, der regelmäßig in den Bergen geht, kann 6 Tage anpeilen. Wer eine durchschnittliche Kondition hat, wenig Bergerfahrung mitbringt oder bewusst entspannt unterwegs sein will, ist mit 8 bis 10 Tagen meist besser beraten.
Sehr erfahrene Wanderer können auch 4 oder 5 Tage anpeilen. 4 Tage ist das, was Guillaume und ich 2015 gemacht haben. Wenn du nur gehst, werden das sehr lange Tage mit 40 bis 50 km. Wenn du Wandern und Laufen kombinieren willst, zum Beispiel als UTMB-Training, sind auch 3 oder 4 Tage möglich.
Unsere Erfahrung: Tour du Mont-Blanc in 4 Tagen
Tag 1 auf dem TMB: ca. 40 km
Wir sind seit der Kindheit in den Bergen unterwegs, sportlich und mit sehr guter Ausdauer. Guillaume und ich wollten deshalb den Tour du Mont-Blanc als mehrtägige Wanderung durchziehen. Ein unvergessliches Erlebnis, atemberaubende Landschaften, Begegnungen mit Murmeltieren, dieses Freiheitsgefühl, und ja, ein bisschen Leiden gehört auch dazu.
Wir sind in Les Houches gestartet, einem klassischen Ausgangspunkt für den TMB. Die erste Etappe führt hinauf zum Col de Voza, dann geht es auf die Seite von Saint-Gervais-les-Bains und weiter Richtung Les Contamines. Ernst wird es ab dem Col du Bonhomme, nach einem langen Anstieg von der Römerstraße unten im Tal. An diesem Tag regnet es, und die Hütte Croix du Bonhomme ist eine perfekte Pause zum Aufwärmen und Krafttanken. Danach geht es hinunter nach Les Chapieux, der Abstieg ist steil und geht ordentlich auf die Beine. Gegen Ende wird es heller und wir erreichen das Refuge des Mottets gerade noch rechtzeitig zum Abendessen.
Tag 2 auf dem TMB: ca. 40 km
Tag 2 steht im Zeichen des Col de la Seigne, und damit des Grenzübertritts nach Italien. Der Anstieg ist steil, aber früh am Morgen läuft er richtig gut. Auf der italienischen Seite sieht man beim Abstieg Richtung Lacs Combal viele Murmeltiere in den Geröllfeldern, manchmal musst du aber genau hinschauen, wie auf dem Foto unten. Danach geht es ein paar Kilometer wieder knackig bergauf, bevor du nach Courmayeur absteigst, ein langer und steiler Downhill. Perfekt für eine Mittagspause in Courmayeur.

Wir gehen weiter und verlaufen uns fast eine Stunde oberhalb von Courmayeur. Zusätzlich zu den Navigationsfehlern merken wir, dass die ausgeschilderten Zeiten in Italien deutlich härter kalkuliert sind als in Frankreich. In Frankreich kannst du die angegebenen Gehzeiten beim schnellen Marschieren fast halbieren. In Italien ist das selbst mit hohem Tempo schwierig, da holst du nur wenige Minuten heraus. Am Ende des Tages kommen wir an der Hütte Elena an, der letzten Hütte auf italienischer Seite.
Tag 3 auf dem TMB: ca. 45 km
Wir hatten Tag 2 schlecht geplant, deshalb müssen wir an Tag 3 richtig drücken, um den Rückstand aufzuholen und bis Vallorcine zu kommen. Sehr früher Start, wir gehen gleich über den Grand Col Ferret. Nach dem Grenzübertritt in die Schweiz steigen wir nach La Fouly ab und weiter Richtung Champex mit seinem See. Danach geht es über die Catogne, bevor wir nach Trient absteigen.
Normalerweise empfehlen wir, in Trient zu übernachten. Wir sind an Tag 3 bis Vallorcine weiter, aber das war extrem hart. Besser, du hebst dir noch Reserven für Tag 4 auf.
Tag 4 auf dem TMB: ca. 40 km
Du kannst über die Aiguillette des Posettes gehen, mit einer außergewöhnlichen Aussicht auf das Mont-Blanc-Massiv. Der letzte Abschnitt führt zur Tête au Vent, ein Klassiker vom UTMB-Finale. Sehr empfehlenswert ist der Abstecher zum Lac Blanc, ein echtes Postkartenmotiv direkt gegenüber dem Mont Blanc.
Danach kannst du auf den Balkonen mit Blick auf den Mont Blanc bis zum Brévent weiterziehen, bevor der letzte Abstieg nach Les Houches beginnt, und der fühlt sich zum Ende der Tour oft endlos an. Es kann heiß werden, viele Wege liegen in der Sonne. Wenn du über Chamonix gehen möchtest, kannst du etwas früher absteigen und die letzten 10 km flach bis nach Les Houches laufen.

In 4 Tagen ist diese Aufteilung möglich:
Les Houches – Refuge des Mottets
Refuge des Mottets – Refuge Elena
Refuge Elena – Trient
Trient – Les Houches
Für Tag 1 gilt, starte unbedingt vor 8 Uhr. Das ist wirklich nur für sehr gut trainierte Ausdauersportler geeignet. Achtung, das ist ein Beispiel, das bei uns funktioniert hat, aber wir übernehmen keine Verantwortung. Prüfe unbedingt die Verfügbarkeit der Hütten, und denk daran: Bei schlechtem Wetter musst du dich eventuell eine Weile unterstellen, das kann deinen Zeitplan deutlich verzögern.
Als UTMB-Recce haben wir den Tour du Mont-Blanc auch in 3 Tagen im Modus Rando-Trail gemacht. Das sind Tagesdistanzen von 50 bis 60 km: Chamonix – Les Chapieux, Les Chapieux – La Fouly, La Fouly – Chamonix.
Etappenplanung für den TMB: so organisierst du dich
Bevor du losgehst, ist eine saubere Routen- und Etappenplanung wichtig. Spezialisierte TMB-Seiten wie MonTourduMontBlanc helfen dir dabei. Manche wählen einen Gepäcktransport, egal wie du es machst, wir empfehlen dir, die Hütten zu reservieren und vor 19 Uhr anzukommen, das ist oft die Zeit fürs Abendessen.
Die Landschaften und auch die Architektur unterscheiden sich stark zwischen Frankreich, Italien und der Schweiz, du bekommst richtig viel zu sehen. Wie oben erwähnt, achte auf die Unterschiede bei den ausgeschilderten Gehzeiten je nach Land, in Italien eher streng, in Frankreich eher großzügig.
Schau dir auch mögliche Ausweichoptionen mit dem Bus an, falls jemand aus der Gruppe Probleme bekommt, zum Beispiel Bus zwischen Les Chapieux und Les Mottets, zwischen den Lacs Combal und Courmayeur, zwischen La Fouly und Champex, zwischen Chamonix und Les Houches, usw.
Die richtige Ausrüstung für den Tour du Mont-Blanc
Wähle deine Ausrüstung passend zur geplanten Dauer. Nimm nicht zu viel mit, damit du beim Wandern oder Trailrunning nicht unnötig Gewicht schleppst, aber genug, um bei jedem Wetter sicher und komfortabel unterwegs zu sein. Wir empfehlen dringend eine Regenjacke, eine Rettungsdecke, ein Opinel, ein paar Wechselklamotten usw.
Vor deinem Tour du Mont-Blanc solltest du auch regelmäßig mit dem Rucksack trainieren, und zwar mit dem Gewicht, das du später wirklich tragen wirst. Das ist ein einfacher, aber extrem effektiver Baustein für deine Vorbereitung und Leistungsfähigkeit in den Bergen.
Hier ein paar hilfreiche Punkte aus unserem Artikel über die Mehrtagestour (Trekking):
- Zum Schlafen: Zelt, Hängematte, Tarp, Schlafsack, Kissen…
- Zum Essen: Kocher, Brennstoff, Feuerzeug, Dose, Besteck, Trinkflaschen oder Camelbak…
- Zum Anziehen: T-Shirt, Shorts, Armlinge, Cap, Socken, Unterwäsche, wasserdichte Jacke und Hose, warme Kleidung…
- Für die Hygiene: Zahnpasta, Zahnbürste, Toilettenpapier, Sonnencreme…
- Für Erste Hilfe: kleine Tasche mit Pflastern, Desinfektionsmittel, Zeckenzange, Schere, Verbände, Anti-Scheuer-Creme, Rettungsdecke…
- Zur Orientierung: GPS-Uhr mit Track, Handy, Powerbank, Ladegerät, Ersatzbatterien, Karte…
Alpin-Ausrüstung brauchst du nicht, die Wege sind gut begehbar. Eventuell lohnt es sich vor Juli, Grödel oder Steigeisen einzupacken, falls in den höheren Lagen noch Schnee liegt, bei einigen Pässen bis etwa 2.500 m.
Wir wünschen dir das Beste für deinen Tour du Mont-Blanc. Hauptsache, du hast Spaß und bist sicher unterwegs. Du wirst aus dem Staunen nicht rauskommen 😉
Und vielleicht macht dir das Lust, mit Trailrunning zu starten oder im Trail noch besser zu werden, zum Beispiel mit einem plan d’entraînement trail.
