
Laufen ist manchmal auch eine Frage von Hypes und Trends, die dieses oder jenes Magazin lostritt. Vielleicht hast du schon einmal etwas über Streak Running gelesen, diesen Trend aus dem angloamerikanischen Raum. „Streak“ steht für eine laufende Serie. Konkret bedeutet das, an jedem Tag des Jahres mindestens 1 Mile (1,6 km) zu laufen.
Jeden Tag zu laufen kann helfen, eine stabile Routine aufzubauen. Streak Running kann mittelfristig aber auch riskant werden. Schauen wir uns die Gefahren an und warum es oft sinnvoller ist, zwar täglich Sport oder Bewegung einzuplanen, aber nicht zwingend jeden Tag zu laufen.
Inhaltsverzeichnis
Der Ursprung des Streak Running: 52 Jahre lang jeden Tag gelaufen
Der Brite Ron Hill ist von 1964 bis 2017 jeden Tag gelaufen. Nachdem er beim olympischen Marathon 1964 „nur“ 19. geworden war, beschloss er, härter zu trainieren. Und keinen einzigen Ruhetag mehr zu nehmen. Der Sieger des Boston-Marathons 1970 soll an 19.032 Tagen in Folge gelaufen sein. Erst eine Krankheit zwang ihn dazu, die Serie im Alter von 78 Jahren zu beenden.
Breiter bekannt wurde Streak Running in Großbritannien und den USA während des ersten Lockdowns in der Covid-19-Krise. Als Minimum gilt, jeden Tag 1 Mile, also 1,6 km zu laufen.
Es gibt sogar eine Organisation, die Streak Runner erfasst. Du musst mindestens ein Jahr am Stück gelaufen sein, um Mitglied bei der Streak Runners International zu werden.
Die Vorteile: Warum täglich laufen verlockend ist
Tägliches Laufen hat einen klaren Vorteil: Du verteilst deinen Trainingsumfang auf mehrere Einheiten. Der Körper verarbeitet zum Beispiel 30 km in 7 Läufen oft besser als 30 km in einer einzigen Einheit.
Wenn du nach einer Verletzung zurückkommst, hilft ein behutsamer Wiedereinstieg. 20 bis 30 Minuten locker, im Wechsel 5 Minuten laufen und 1 Minute gehen, bringen deinen Körper Schritt für Schritt wieder in den Rhythmus.
Wenn du jeden Tag läufst, stellst du dir auch nicht mehr die Frage, ob du heute trainierst oder nicht. Du gehst einfach. Für den Aufbau einer Trainingsroutine kann Streak Running deshalb durchaus motivierend sein.
Trotzdem gilt: Nach einem harten Arbeitstag und wenn draußen sintflutartiger Regen runtergeht, ist es oft klüger, nicht laufen zu gehen, statt sich widerwillig rauszuquälen. Vor allem, wenn du nur 2 km abspulst, um die Serie irgendwie am Leben zu halten. Klar, manchmal trainiert man „nach Plan“, aber die Lust sollte möglichst oft mitlaufen.
Dann ersetze die Laufeinheit lieber durch eine kurze Session PPG à l’intérieurAthletiktraining drinnen oder Yoga, damit du dich gut fühlst. Das ist mindestens genauso wertvoll, manchmal sogar besser, gerade für Regeneration, Mobilität und Verletzungsprophylaxe.
Sich vorzunehmen, jeden Tag Sport zu machen, ist generell gesünder als sich auf „jeden Tag laufen“ zu versteifen. Und selbst wenn du krank bist, zum Beispiel mit Fieber, kannst du immer noch ein paar Dehnübungen oder etwas Yoga machen. Wenn du krank bist, solltest du dein Herz-Kreislauf-System nicht zusätzlich belasten.
Die Risiken des Streak Running
Wenn dein Knie schmerzt oder du schlimmer noch eine Muskelzerrung oder einen Muskelfaserriss hast und trotzdem unbedingt deine Streak fortsetzen willst, gehst du dann laufen? Verletzungen brauchen sehr oft Ruhe. Nicht immer komplette Pause, aber sie sind ein Warnsignal deines Körpers, das du ernst nehmen solltest.
Sich zum Lauftraining zu zwingen, egal was passiert, führt dazu, dass man weniger auf sich hört. Laufen kann Mikrotraumata verursachen und Regeneration hilft, Gewebe zu reparieren. In einem strukturierten Trainingsplan ist Erholung, und manchmal auch ein kompletter Ruhetag, genauso wichtig wie die Belastung.
Um im Laufen besser zu werden, solltest du einen großen Teil deiner Woche in Grundlagenausdauer (GA) trainieren, also im niedrigen Intensitätsbereich. Intervalltraining ist ebenfalls sehr effektiv für Leistungsentwicklung und Tempo, aber nur mit einem sauberen Warm-up von mindestens 15 bis 20 Minuten.
Wenn du wirklich Fortschritte erzielen willst, sind 3 bis 4 strukturierte Laufeinheiten pro Woche oft sinnvoller als 7 Läufe, immer im gleichen Tempo. Mehr dazu findest du hier: wie viele Trainingseinheiten pro Woche, um beim Laufen Fortschritte zu machen.
Setze lieber auf Crosstraining
Als ich in der französischen Nationalmannschaft über 1500 m gelaufen bin, habe ich schon einmal einen Monat Streak Running gemacht, mit 10 Trainingseinheiten pro Woche, manchmal sogar zwei Läufen am Tag. Ziel ist es, physiologische Anpassungen durch die wiederholten Reize zu erzeugen. Die entstehende Ermüdung ist aber groß und Ruhetage vor der Wettkampfphase waren entscheidend, um wirklich topfit an den Start zu gehen.
Mit etwas Abstand und heute, wo ich vom Nutzen von Crosstraining überzeugt bin, denke ich: Es wäre noch besser gewesen, einige Laufeinheiten durch Radfahren zu ersetzen, um die Ausdauerleistung zu stützen, dabei aber die Stoßbelastung zu reduzieren.
Wenn du Streak Running ausprobieren und jeden Tag laufen willst, nur zu, starte dein Projekt. Hör dabei aber auf deinen Körper und ersetze bei Bedarf einen Lauf durch eine andere Sportart. Oder ab und zu durch Yoga. Dein Körper und auch dein Kopf werden es dir garantiert danken.