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Erfolgsgeschichte Halbmarathon & Marathon

Marathon Pour Tous Paris 2024: Guillaume läuft als Dritter am Invalidendom ins Ziel

Marathon Pour Tous Paris 2024: Guillaume läuft als Dritter am Invalidendom ins Ziel

Der Marathon Pour Tous (Marathon für alle) bei Paris 2024 war unglaublich und wohl mein schönstes Erlebnis als Läufer. 17.361 Läuferinnen und Läufer zwischen 20 und 85 Jahren haben diesen einzigartigen Marathon gefinisht. Ein Rückblick auf ein Abenteuer, das 2019 begann, als ein Volksmarathon mitten in den Olympischen Spielen angekündigt wurde.

Inhalt
  1. Der Beginn des Abenteuers Marathon Pour Tous
  2. Der große Tag des Marathon Pour Tous
  3. Ein ebenso verrückter Tag nach dem Marathon!

Der Beginn des Abenteuers Marathon Pour Tous

Auf derselben Strecke wie die olympischen Marathonläufer laufen, und das am letzten Wochenende der Olympischen Spiele: Das war eine der großen Neuerungen von Paris 2024…

Um sich zu qualifizieren, musste man an Präsenzveranstaltungen oder Online-Challenges teilnehmen. Ich trete dem Club Paris 2024 gleich bei seiner Gründung bei, um meine Chancen zu maximieren. Um dem Schicksal etwas nachzuhelfen, laufe ich im Juni 2023 einen Teammarathon beim Orange Night Run und sichere mir meinen Startplatz, weil mein Team unter den ersten 50 ins Ziel kommt. Ich darf am 10. August 2024 beim Marathon Pour Tous starten!

Dieser Marathon ist einzigartig durch seine Strecke (ein langer Anstieg von km 15 bis km 20, dann ein noch steilerer bei km 29) und seine Startzeit: 21 Uhr. Bei der Augusthitze ist ein Nachtlauf eine ziemlich gute Idee!

Am Wochenende des Paris-Marathons im April schaue ich mir die Strecke an, um die Schwierigkeiten zu erkunden. Der erste, fast 5 Kilometer lange Anstieg wirkt sehr anspruchsvoll! Am nächsten Tag laufe ich ihn sogar ein zweites Mal ab, um sicher zu sein, dass ich die Schwierigkeit richtig einschätze.

Mir ist also klar, dass ich jede Woche Höhenmeter ins Training einbauen muss, vor allem bei den Grundlagenläufen.

Wie bei meinen letzten Marathons trainiere ich mit der App RunMotion Coach, mit Schwerpunkt auf Athletiktraining: eine Athletikeinheit pro Woche und 6 Laufeinheiten.

Ein neuer Faktor für mich: Anfang Mai bin ich Papa geworden! Auch wenn das Baby neue Motivation bringt, bleibt weniger Zeit für Sport und weniger Schlaf 😄

Richtig los geht die Vorbereitung Anfang Juni, über 2 Monate! Alle Wochen liegen zwischen 60 und 80 km, mit Intervalltraining auf der Bahn, um mich meiner aktuellen Form zu vergewissern. Kurze oder lange Intervalle fallen mir auf der Bahn leichter als auf der manchmal hügeligen Straße.

Ende Juni und Anfang Juli schaffe ich 2 Wochen mit 95-100 km, und ich merke, dass die Form gut ist! Ich kann also eine Zeit von 2:30 Std. anpeilen. Die 450 Höhenmeter der Strecke bedeuten etwa 5 Minuten mehr als meine übliche Zeit, meine Bestzeit liegt bei 2:23 Std. Mit Hitze und Nacht kommen noch 2 bis 3 Minuten dazu.

Meine längste Einheit sind 34 km im Risoux-Wald im Jura, im Urlaub, mit 2 x 10 km im Marathontempo auf sehr hügeligem Gelände, ähnlich wie beim Marathon Pour Tous. Ich verfolge den Beginn der Olympischen Spiele im Fernsehen, und die Vorfreude wächst!

Guillaume Adam am Start des Marathon Pour Tous

Der große Tag des Marathon Pour Tous

Samstag, 10. August 2024: Der große Tag ist da!

Abfahrt in Chambéry um 10:21 Uhr, Ankunft am Pariser Gare de Lyon um 13:14 Uhr. Ich hole meine Startnummer ab (Nummer 62) und treffe meinen Bruder Romain und seine Freundin in der Wohnung, die wir fürs Wochenende gemietet haben. Schon der Weg dorthin ist sportlich: 6. Stock ohne Aufzug 😄

In der Wohnung ist es sehr heiß, ich achte auf die Flüssigkeitszufuhr und suche Abkühlung im Einkaufszentrum nebenan. Um 17:45 Uhr gibt es etwas Reis und ein Ei.

Um 19:45 Uhr geht es los zum Start! 15 Minuten später treffen wir ein Forscherteam, das mit dem IOC zusammenarbeitet. Es stattet uns mit Sensoren für Biomechanik, Temperatur und Schweiß aus, um die Wirkung der Hitze auf Hobbyläufer zu untersuchen. Ein Thema, das vor allem im Sommer immer aktueller wird. Ausgerüstet traben wir 2 Minuten bis zum Startblock.

Um 20:15 Uhr betreten wir den Startblock. Die Menge ist schon dicht, aber ich schlängle mich ganz nach vorn und treffe zufällig Thierry, einen sehr guten Läufer und Freund aus Chambéry! Romain ist mir nicht gefolgt, aber ich sehe ihn ein paar Meter weiter.

Um 20:50 Uhr gehen wir in den Startbereich. Ich trinke die mitgebrachte Wasserflasche aus und esse ein Fruchtpüree von Baouw.

Ich begrüße das Maskottchen und ein paar Influencer, die ich kenne und die es direkt an die Startlinie geschafft haben, und stehe startbereit in der zweiten Reihe, direkt hinter Amélie Mauresmo, olympische Tennismedaillengewinnerin und inzwischen sehr starke Marathonläuferin (3:14 Std.).

21 Uhr, Startschuss! Ich konzentriere mich darauf, meinen Weg zu finden und mein Tempo zu laufen. Mit dem Adrenalin des Starts merke ich nicht, dass ich plötzlich ganz vorn bin. Die Stimmung ist elektrisierend, mit unglaublicher Begeisterung auf beiden Straßenseiten!

Die Zuschauer stehen in zehn Reihen auf beiden Seiten der Straße! Olympia-Fans und Angehörige der 20.024 gemeldeten Marathonläufer sind gekommen, um diese Premiere in der Geschichte der Olympischen Spiele zu erleben. Es ist die Atmosphäre der Tour de France in Alpe d’Huez oder des Central Park beim New-York-Marathon. Dieses Gefühl ist atemberaubend!

Auf der Rue de Rivoli sehe ich, dass ich ein paar Meter Vorsprung auf die anderen Läufer habe, und genieße diesen Moment in vollen Zügen. Die goldenen Farben des Sonnenuntergangs sind beeindruckend!

Erster Kilometer: 3 Minuten und 5 Sekunden! Schneller als der olympische Männermarathon am Morgen, der vorsichtig in 3 Minuten und 11 Sekunden gestartet war.

Ich bremse sofort, denn in diesem Tempo würde ich den Marathon nicht beenden 😅 Bei der Stimmung, ohne Aufwärmen und ohne Anhaltspunkte hatte ich nicht gemerkt, wie schnell ich losgelaufen war. Schnell überholen mich 3 bis 4 andere Läufer, dann finde ich meinen gewohnten Marathonrhythmus: 3:20/km.

Die Stadtführung durch Paris geht weiter, mit der Vendôme-Säule bei km 2. Ich denke an den Moment mit Romain 2019, als wir beim Paris-Marathon an der Spitze liefen und 2 bzw. 4 Kilometer mit den Eliteläufern zurücklegten.

Die Begeisterung ist weiterhin unglaublich, mit ununterbrochenem Anfeuern! Um km 4 erreichen wir den Louvre. Im Kreisverkehr am Louvre steht kein einziger Zuschauer, der Kontrast ist frappierend! Zum Glück ist die Stimmung ein paar Meter weiter, nach dem Kreisverkehr, wieder da! Dann laufen wir an der Seine entlang, auch dort mit vielen Menschen!

Die ersten 5 km laufe ich in 3:20/km, die zweiten in 3:27/km. Ich bin in einer Dreiergruppe auf den Plätzen 5, 6 und 7.

Bei km 15 beginnt der erste Anstieg! Ich verkürze meine Schritte und versuche, einen passenden Rhythmus zu finden. Die Dreiergruppe zerfällt: Ein Kolumbianer läuft schneller bergauf, und ein französischer Läufer beschließt, das Rennen locker zu Ende zu laufen. Das Publikum ist noch da, aber viel spärlicher. So kann man sich voll auf die Kräfteeinteilung konzentrieren. Ein paar Polizisten feuern uns an, und ich höre „Allez RunMotion!“.

Oben am Anstieg, um km 20, hole ich den Kolumbianer ein und verlängere bergab meine Schritte, um ihn abzuhängen. Bei der Halbmarathonmarke bin ich Fünfter. Dann, am Schloss Versailles bei km 23, überhole ich einen Läufer, mit dem ich mich im Startblock unterhalten hatte.

Die Abstände nach vorn scheinen groß, aber jetzt, wo ich Vierter bin, will ich versuchen, das führende Trio einzuholen! Bei diesem Marathon gibt es keine offizielle Wertung, aber es bleibt eine motivierende Herausforderung!

Der Rückweg nach Paris wird schwer, vor allem bei km 29 mit einem Anstieg, der Passagen mit über 10 % hat. Es wird dunkel, und wir laufen durch leuchtende Ringe!

Nachtlauf beim Marathon Pour Tous

Oben am Anstieg ist es fast stockdunkel, 10 Meter lang sehe ich nicht, wohin ich trete 😄 Zum Glück haben einige Zuschauer Stirnlampen mitgebracht!

In den leuchtenden Ringen sehe ich in der Ferne eine Silhouette. Ob das der Dritte ist? Im Gefälle nach dem großen Anstieg verlängere ich meine Schritte. Auf dem sehr steilen Kilometer lag mein Schnitt bei 4:24/km, bergab geht es schneller: 3:12/km und 3:14/km auf dem nächsten.

Die Mühe zahlt sich aus: Bei km 35 schließe ich zum Dritten auf, Duncan Perillat, einem Freund aus Grenoble (2:12 Std. im Marathon)! Wir wechseln ein paar Worte, und er schlägt vor, gemeinsam ins Ziel zu laufen. Ich sage sofort zu! Symbolisch wäre es so schön, Hand in Hand am Invalidendom anzukommen!

Seitlich sehen wir den Eiffelturm, dann beginnen die letzten 5 Kilometer. Es ist hart, sehr hart! Ich nehme wie seit Beginn jede Wasserstelle mit, spüre aber die Müdigkeit. Hatte ich die Begeisterung der ersten Kilometer voll aufgesogen, sind diese letzten Kilometer etwas verschwommen. Das wenige noch verfügbare Glykogen geht in meine Muskeln, um das Ziel zu erreichen.

Zwei letzte Kurven, und vor uns der Zielbogen! Duncan reicht mir die Hand, und wir überqueren die Ziellinie gemeinsam, Hand in Hand! Nach 2 Stunden, 30 Minuten und 4 Sekunden erscheinen unsere Namen auf Platz 3, hinter einem Amerikaner (Jared Ward, Sechster im Olympia-Marathon 2016) und einem polnischen Marathonläufer.

Völlig entkräftet lege ich mich auf den blauen Teppich. Wir beantworten im Ziel ein paar Fragen von Journalisten, dann suche ich verzweifelt nach einer Limonade oder einem süßen Getränk, um wieder zu Kräften zu kommen. Es gibt keins! Ich muss mich mit Leitungswasser begnügen, das schon auf der ganzen Strecke angeboten wurde. Aus ökologischer Sicht übrigens eine sehr gute Sache, statt Tausende Wasserflaschen wegzuwerfen, aus denen man nur ein paar Schlucke trinkt.

Im Ziel treffe ich Romain, der mit einem anderen Läufer aus Chambéry in 2:59 Std. ankommt! Dann das Forscherteam der wissenschaftlichen Studie. Eine Stunde nach dem Zieleinlauf bin ich noch kreidebleich und muss mich schließlich übergeben: Die Hitze und wahrscheinlich der Zuckermangel haben mir ordentlich zugesetzt.

Guillaume Adam und Duncan Perillat laufen Hand in Hand beim Marathon Pour Tous ins Ziel

Ein ebenso verrückter Tag nach dem Marathon!

Der Rückweg in die Wohnung war etwas kompliziert (die Details erspare ich dir), aber um 2 Uhr nachts kann ich endlich schlafen 😄 Der Schlaf ist leicht, und um 5 Uhr morgens stelle ich überrascht fest, dass das Foto von Duncan und mir Hand in Hand im Netz die Runde macht, geteilt von Tony Estanguet und den Accounts von Paris 2024!

Um 8 Uhr schaue ich mir den Start des olympischen Frauenmarathons an, den einzigen olympischen Wettbewerb, den ich live sehe. Ich genieße den Tag mit Freunden, dann geht es zum Gare de Lyon und mit dem TGV zurück nach Chambéry.

Kurz vor Chambéry gibt es einen einige Kilometer langen Tunnel, den Tunnel de l’Épine. Als wir herauskommen, erhalte ich Dutzende Benachrichtigungen. Was ist passiert?

Bilder vom Start des Marathon Pour Tous wurden bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele gezeigt, die mehr als eine Milliarde Menschen gesehen haben. Durch Zufall bin ich in 2 Ausschnitten vom ersten Kilometer zu sehen! So verlängert sich dieser olympische Traum noch ein bisschen!

Was für ein Abenteuer, dieser Marathon Pour Tous…

Danke und Bravo an alle, die dieses einzigartige Event möglich gemacht haben: Organisatoren, Freiwillige, Polizei, Sanitäter, Fans und Läufer!

Guillaume Adam
Guillaume Adam

Diplomierter Trainer, Ingenieur und ehemaliger Athlet der französischen Nationalmannschaft: Guillaume stellt sein Wissen in den Dienst jedes Läufers. Als Marathonläufer (2:23 h) und UTMB-Finisher hat er die Algorithmen entwickelt, die deine Trainingseinheiten erstellen.

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